Islamische Theologen: Deutungshoheit über den Islam nicht militanten Extremisten überlassen

Kurzfassung: Islamische Theologen: Deutungshoheit über den Islam nicht militanten Extremisten überlassenSie zeigen sich darin tief bestürzt über das unmenschliche Vorgehen der Anhänger des "Islamischen Staats ...
[Goethe-Universität Frankfurt am Main - 01.09.2014] Islamische Theologen: Deutungshoheit über den Islam nicht militanten Extremisten überlassen
Sie zeigen sich darin tief bestürzt über das unmenschliche Vorgehen der Anhänger des "Islamischen Staats". Ursachen für das gewaltzentrierte Religionsverständnis sehen die Unterzeichner u. a. in den desolaten soziopolitischen Umständen im Nahen Osten und auch in anderen Teilen der Welt.
Hier die Stellungnahme im Wortlaut, die inzwischen von vielen weiteren Wissenschaftlern unterzeichnet wurde.
"Wir sind zutiefst bestürzt über die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten und über den Terror, den?der sogenannte?Islamische Staat (IS)?gegenüber Zivilisten und Gefangenen jeglichen Glaubens?walten lässt. Die?ungeheuerliche?Gewalt, die von den Anhängern des IS?ausgeht,?negiert?alle Regeln der Menschlichkeit und?zivilisatorischen?Normen,?für?deren Herausbildung?auch?der Islam?eine?wichtige?Rolle gespielt?hat?und an denen er teilhat.?Solche?Deutungen des Islam, die ihn zu einer archaischen Ideologie des Hasses und der Gewalt pervertieren, lehnen wir strikt ab?und verurteilen diese aufs?Schärfste.
Angesichts der steigenden Zahl an jungen Menschen in?Europa, die sich?dem?Gedankengut des?IS und?anderer extremistischer?Formationen anschließen, sind wir uns?als?VertreterInnen?von islamisch-theologischen Fächern?der Notwendigkeit und Verantwortung bewusst, sich solchen Deutungen des Islam?gerade?mit?Bezug auf die islamischen?Traditionen?entgegenzustellen. Die Deutungshoheit über den Islam darf nicht Extremisten und Gewalttätern überlassen werden?und muss in Deutschland aus der Mitte der Gesellschaft heraus?-?unter anderem an den Universitäten?-?erfolgen.?
Wir setzen uns, nicht zuletzt in unserer universitären Arbeit, für einen Islam ein, aus dem sich Humanität, Gewaltfreiheit, Wertschätzung der Pluralität und Respekt für Menschen ungeachtet ihrer Zugehörigkeiten schöpfen lassen.?
Die aktuellen Konflikte im Nahen Osten und auch in anderen Teilen der Welt zeigen, wie rasant?sich?unter desolaten soziopolitischen Umständen?ein gewaltzentriertes Religionsverständnis herausbilden kann.?
In?demokratisch-freiheitlich verfassten Staaten?Europas sehen wir demgegenüber?die Chance,?an?das reiche Erbe der?geistesgeschichtlichen und religiösen?Tradition?des Islam?anzuknüpfen?und?uns?in der Begegnung mit anderen,?auch kritischen Perspektiven zu öffnen.?So sollen Studierende befähigt werden, eigene religiöse Ressourcen als Mittel zur Gestaltung eines produktiven?Miteinanders?zu begreifen?und?sich?gestalterisch?in die?Zukunft der?deutschen?Gesellschaft einzubringen.?Hierzu gehört auch die Anerkennung der Muslime als Teil Deutschlands und?das Ernstnehmen vergangener und jüngster islamfeindlicher Übergriffe als Hindernisse auf diesem Weg.?
Nur durch eine?reflektierte?Auseinandersetzung mit der islamischen Lehre?und Praxis?unter freiheitlichen Bedingungen?lässt sich die islamische Wissens- und Normenproduktion von krisenhaften Verhältnissen und?Kontexten der?politischen Repressionen entkoppeln.?Und nur so können produktive Antworten des Islam auf die Herausforderungen des globalen Zusammenlebens gefunden?werden.?Hierfür ist die freie akademische Wissensproduktion an deutschen Universitäten eine wichtige Voraussetzung."
Prof. Dr. Bekim Agai, geschäftsführender Direktor am Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam, Goethe-Universität Frankfurt a.M
Prof. Dr. Maha El-Kaisy Friemuth, geschäftsführende Direktorin am Department Islamisch-Religiöse Studien, Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg
Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, geschäftsführender Direktor am Zentrum für Islamische Theologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Prof. Dr. Yasar Sarikaya, Professur für Islamische Theologie und ihre Didaktik, Justus-Liebig-Universität Gießen
Prof. Dr. Erdal Toprakyaran, geschäftsführender Direktor am Zentrum für Islamische Theologie, Eberhard Karls Universität Tübingen
Prof. Dr. Bülent Ucar, geschäftsführender Direktor am Institut für Islamische Theologie, Universität Osnabrück
Unter der E-Mail-Adresse stellungnahme.islamische-theologie@outlook.com kann die Stellungnahme mit der Angabe von Name und Institution unterzeichnet werden.
Zum Kongress "Horizonte der Islamischen Theologie"
Die thematische Bandbreite des Kongresses umfasst die Disziplinen der Islamischen Theologie und relevante Forschungsbereiche angrenzender Wissenschaften. Paneltitel von "Neue Wege in der Koranauslegung" und "Wörtliche Auslegung islamischer Texte" über "Bioethik" und "Feministische Theologie" bis hin zu "Neue Erkenntnisse zur arabischen Syntax" zeugen von der breiten Themenpalette des Kongresses. Dabei werden international bekannte Persönlichkeiten wie der südafrikanische muslimische Theologe und Anti-Apartheids-Aktivist Farid Esack und der iranische Philosoph und Vordenker Abdolkarim Soroush als Referenten erwartet. Aus Deutschland kommen unter anderem der Frankfurter Theologe und Koranwissenschaftler Ömer Özsoy, die Frankfurter Ethnologin Susanne Schröter vom Exzellenzcluster sowie der Münsteraner Religionspädagoge Mouhanad Khorchide und Hanna Liss, Expertin für jüdische Bibelauslegung aus Heidelberg.

Informationen:
Tim Sievers
B.A., Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam
Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften
Tel.: 069-798-32767
tim.sievers@em.uni-frankfurt.de
Weitere Informationen
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