30 Jahre Aids / Neuer Bericht zur Situation von Jugendlichen: Weltweit zwei Millionen Teenager HIV-positiv

  • Pressemitteilung der Firma Deutsches Komitee für UNICEF, 01.06.2011
Pressemitteilung vom: 01.06.2011 von der Firma Deutsches Komitee für UNICEF aus Köln

Kurzfassung: UNICEF: Aids-Aufklärung und Hilfsangebote weiter ausbauen Köln/Johannesburg, den 1. Juni 2011. Benachteiligte Jugendliche in den Entwicklungs- und Schwellenländern tragen nach Angaben von UNICEF ein besonders hohes Aids-Risiko. So leben heute ...

[Deutsches Komitee für UNICEF - 01.06.2011] 30 Jahre Aids / Neuer Bericht zur Situation von Jugendlichen: Weltweit zwei Millionen Teenager HIV-positiv


UNICEF: Aids-Aufklärung und Hilfsangebote weiter ausbauen

Köln/Johannesburg, den 1. Juni 2011. Benachteiligte Jugendliche in den Entwicklungs- und Schwellenländern tragen nach Angaben von UNICEF ein besonders hohes Aids-Risiko. So leben heute weltweit rund zwei Millionen Teenager zwischen 10 und 19 Jahren mit dem HI-Virus – die meisten von ihnen in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Oft wissen die Jugendlichen nicht von ihrer Infektion, da sie keinen Zugang zu vertraulichen Beratungs- und Testmöglichkeiten haben.
Dies ist Ergebnis des neuen Berichts "Opportunity in Crisis", den UNICEF zusammen mit anderen UN-Organisationen und der Weltbank heute veröffentlicht. Er enthält erstmals umfassende statistische Angaben zu Jugendlichen. Vom 8. bis 10. Juni findet in New York das hochrangige Regierungstreffen der Vereinten Nationen anlässlich des Bekanntwerdens der ersten Aids-Erkrankungen vor 30 Jahren statt.
"Für viele junge Menschen ist eine HIV-Infektion Folge von Vernachlässigung, Ausschluss und Gewalt", sagte UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake. "Zu oft haben ihre Familie oder Gemeinde die Augen davor verschlossen."
So infizieren sich weltweit jeden Tag 2.500 Heranwachsende zwischen 15 und 24 Jahren mit HIV. Zwar gibt es heute in fast allen Ländern mehr Aufklärungsprogramme. Trotzdem entfällt nahezu jede zweite Ansteckung auf diese Altersgruppe. In 2009 hatten sich 890.000 junge Menschen neu infiziert – das Millenniumsziel, die Ausbreitung der Epidemie bis 2015 zu stoppen, ist in vielen Ländern noch in weiter Ferne.
Mädchen und junge Frauen tragen nach wie vor das höchste Risiko. Sie haben oft keinen Zugang zu Informationen und kaum Möglichkeit, über ihre Sexualität selbst zu bestimmen. Und sie sind körperlich verletzlicher. Weltweit stellen jungen Frauen rund 60 Prozent aller HIV-Infizierten – im südlichen Afrika sind es sogar 71 Prozent.

Jugendalter: Risiko und Chance

Der Bericht formuliert neun Empfehlungen zur Prävention. So soll die Aids-Aufklärung für Jugendliche in Schulen, Gesundheitsstationen und religiösen Einrichtungen ausgebaut werden. Neue Technologien können dabei helfen. In Uganda beispielsweise erhielten Jugendliche im Programm "Text to change" für ihr Mobiltelefon von der größten Telefongesellschaft Freiminuten. Per SMS müssen sie dazu Fragen zu HIV/Aids richtig beantworten. Gleichzeitig müssen benachteiligte Kinder und Jugendliche besser vor den Folgen extremer Armut, Ausbeutung und Vernachlässigung geschützt werden. Besonders wichtig ist es, dass junge Menschen selbst aktiv an der Aids-Prävention mitwirken.
Im Jugendalter experimentieren die Heranwachsenden und machen Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. So sind weltweit etwa elf Prozent der Mädchen bereits vor ihrem 15. Lebensjahr sexuell aktiv. Deshalb ist diese Lebensphase so wichtig, um Einstellungen zu beeinflussen und Umgangsweisen zwischen den Geschlechtern einzuüben. Die Familie, Lehrer und die Gemeinden haben dabei eine Schlüsselrolle. In Tansania beispielsweise war es lange üblich, dass ältere Männer sexuelle Kontakte zu Mädchen suchten. Durch Aufklärungsprogramme gelang es, diese Praxis zunehmend sozial zu ächten.
Allerdings werden im Jugendalter auch oft tiefer liegende Probleme im Leben der Heranwachsenden sichtbar. Dazu gehören Gewalterfahrungen, Missbrauch und Vernachlässigung in Familien. Sehr frühe Sexualkontakte, Teenagerschwangerschaften und Drogenmissbrauch sind meist Zeichen für ein schwieriges soziales Umfeld der Jugendlichen. Hinzu kommt die schlechte wirtschaftliche Lage junger Menschen in weiten Teilen der Welt: Schätzungsweise 40 Prozent aller Arbeitslosen weltweit sind Jugendliche und junge Erwachsene.
Weil sie soziale Außenseiter sind, haben Heranwachsende auch oft keinen Zugang zu Hilfe oder Aufklärung – wie zum Beispiel viele Straßenkinder in Osteuropa. Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit sowie fehlende Unterstützung durch ihre Familien und Gemeinden sind die häufigsten Ursachen dafür, dass Jugendliche zu Drogen greifen oder sich prostituieren. In Osteuropa wird HIV unter Jugendlichen vor allem durch verseuchte Spritzbestecke verbreitet.

Erfolgreiche Methoden im Kampf gegen Aids

30 Jahre Erfahrungen im Kampf gegen Aids haben gezeigt: Es gibt ein Bündel wirksamer Maßnahmen zur Eindämmung der Immunschwächekrankheit. Dazu zählen die Propagierung von Enthaltsamkeit und der Gebrauch von Kondomen, Drogenprävention, die Beschneidung von Jungen, Angebote zum Tausch von Injektionsnadeln bei Drogenabhängigen, die Gabe antiretroviraler Medikamente nach riskantem Geschlechtsverkehr oder Vergewaltigungen sowie Aufklärungsprogramme und vertrauliche Beratungsangebote für Jugendliche und Risikogruppen. UNICEF fordert, dass endlich alle Heranwachsenden Zugang zu Informationen, Beratung und Hilfe erhalten.

Der Bericht "Opportunity in Crisis" wird veröffentlicht von UNICEF, UNAIDS, UNFPA, ILO, WHO und World Bank. Er steht ab 13 Uhr zum Download bereit unter www.unicef.de.

Informationen zum Regierungstreffen der Vereinten Nationen zu "30 Jahre Aids" unter http://www.un.org/en/ga/aidsmeeting2011/


Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an die UNICEF-Pressestelle, Rudi Tarneden, 0221/93650-315 oder -235, E-Mail: presse@unicef.de

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